Archiv

Archiv für November 2010

Vegetarismus – eine Zwischenbilanz

Nach etwa drei Monaten Vegetarismus wird es Zeit für eine erste Bilanz:

Der Fleischverzicht fällt mir schwer, aber nicht so schwer wie befürchtet. Wäre die Ernährung in Deutschland nicht so fleischlastig, würde ich vielleicht sogar davon sprechen, dass mir der Vegetarismus leicht falle. Die Realität sieht freilich anders aus. Bis zu drei Mal die Woche speise ich in einer Kantine, in der täglich fünf Gerichte zur Auswahl stehen, von denen fast immer nur eines vegetarisch ist. Selbst das sog. Salatbuffet, bei dem zwei oder sogar drei Beilagen zur Auswahl stehen, kommt regelmäßig nicht ohne Fleisch aus.

Obwohl es dabei bleibt, dass ich mir den Fleischkonsum keineswegs verbiete, sondern eben einfach nur kein Fleisch esse, scheint aus meinem Testlauf nun eine Lebenseinstellung zu werden. Wenn ich drei Monate ohne Fleisch auskomme, wird mir dies, denke ich, auch dauerhaft gelingen. Am Donnerstag werde ich die Einzelheiten mit einer Ernährungsmedizinerin besprechen. Gesund bleiben will ich schon.

Ab und an, bislang nicht oft, kommt es vor, dass ich mich vor anderen für meine Entscheidung, fortan kein Fleisch mehr zu essen, mehr oder weniger rechtfertigen muss. Daran werde ich mich nur schwer gewöhnen, wenn überhaupt. Meines Erachtens muss sich derjenige rechtfertigen, der Tiere isst, nicht derjenige, der das unterlässt. So habe ich übrigens auch früher schon gedacht, als ich selbst noch Fleisch konsumiert habe. Gerade weil ich diesen Konsum nicht mehr rechtfertigen konnte, habe ich ihn ja eingestellt.

Wie kompliziert nur alles wäre, wenn ich Veganer würde! Die Auswahl an Lebensmitteln würde drastisch kleiner, und die Aufforderung, mich zu rechtfertigen, umso häufiger. Das Dumme ist nur, dass mir auch die Rechtfertigung für eine nicht-vegane Lebensweise durchaus schwerfällt.

Jura studieren oder nicht, das ist hier die Frage!

2010/11/11 4 Kommentare

(Für Nichtjuristen)

Die Arbeitslosenquote unter Akademikern, so wurde Sonntag im Presseclub behauptet, beträgt ca. 4%. Die Arbeitslosenquote der erwerbsfähigen Gesamtbevölkerung liegt bei etwa 7%, die der Nichtakademiker folglich darüber. Nichtakademiker sind mithin deutlich häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als Akademiker. Dies ist kein zwingender Grund, ein Studium aufzunehmen, aber es weist jene in ihre Schranken, die da sagen: Man solle bloß nicht studieren, denn damit werde man ja doch nur arbeitslos.

Wie aber steht es um diese (sehr weit verbreitete) Auffassung: Wenn man schon studiere, dann bloß nicht Jura, denn damit werde man ja nun wirklich zwingend arbeitslos. Selbst im Referendariat, das sich an das rechtswissenschaftliche Studium anschließt, wird einem noch von der juristischen Ausbildung abgeraten. Im Staatsdienst, so erzählte mir ganz zu Beginn eine Richterin, sei die Lage praktisch aussichtslos. Und ein Rechtsanwalt berichtete mir wenige Monate später mit ernster Miene, er habe eine Stelle ausgeschrieben, und da seien ja so unglaublich viele Bewerbungen gekommen und das aus der ganzen Republik; die Lage sei für Bewerber schlecht und eine juristische Ausbildung mithin nicht zu empfehlen. Von dem, was ich mir schon im Jurastudium alles anhören musste, will ich gar nicht anfangen.

So ganz vertraut habe ich den Unkenrufen nie, aber wie weit sie von der Realität abweichen, hat mich nach dem Referendariat dann doch überrascht. Nicht von allen Kollegen weiß ich, was aus ihnen geworden ist, aber immerhin weiß ich von keinem einzigen, der, obwohl er das zweite Examen bestanden hat, keinen Job gefunden hätte. Richter, Rechtsanwälte, Verwaltungsbeamte, Justiziare: In alle möglichen Richtungen sind meine damaligen Kollegen und ich ausgeschwärmt, der eine auf einen besseren, der andere zugegeben auf einen weniger guten Arbeitsplatz. Das Referendariat haben wir dabei inmitten der sog. Finanzkrise beendet, in der die Furcht vor Arbeitslosigkeit besonders berechtigt schien, und doch hat auf jeden oder zumindest fast jeden Topf wenigstens ein Deckel gepasst.

Eine glasklare Empfehlung für das Jurastudium? Jein. Im ersten Semester erzählte uns ein Professor, das beste Drittel von uns könne gar nichts arbeitslos werden. Ich schließe mich dieser Einschätzung an und gehe noch viel weiter. Aber wie in allen Bereichen hängt es vom Profil des konkreten Bewerbers ab, ob er eine Stelle bekommt und, wenn ja, welche. Zusatzqualifikationen, Promotion, Auslandserfahrung und Fremdsprachenkenntnisse, all das gereicht auch Juristen auf dem Arbeitsmarkt zum Vorteil. Von höchstem Interesse aber, offenbar weit mehr als im Durchschnitt anderer Studienfächer, sind die Noten und zwar vor allem der zweiten, aber auch der ersten juristischen Staatsprüfung. Wer hier gute Leistungen erzielt, dem stehen viele Türen offen, und er kann, was manchen ja besonders wichtig ist, viel, manchmal sehr viel Geld verdienen.

Meine Empfehlung lautet, den wahrlich steinigen Weg der juristischen Ausbildung nur dann einzuschlagen bzw. über die ersten Studiensemester hinaus fortzusetzen, wenn Neigung und Befähigung mit dem Berufsziel korrespondieren. Jura zu studieren, ohne sich dafür zu interessieren, muss eine Qual sein. Und wer nicht die nötigen Fähigkeiten mitbringt, der verabschiedet sich besser spätestens im Grundstudium vom Berufsziel des Juristen und macht etwas, das ihm mehr liegt. Denn auch daran besteht für mich kein Zweifel: Es gibt ein Überangebot an Juristen auf dem Arbeitsmarkt, und diejenigen, die ihr Examen mit Ach und Krach bestehen, sind nicht unbedingt die ersten, die eine gute Stelle finden.

Doch wer eignet sich für die juristische Ausbildung? Ich ganz persönlich meine, dass man vor allem dreierlei mitbringen sollte: das Vermögen, logisch und analytisch zu denken (nicht zu verwechseln mit dem Gefühl, logisch und analytisch zu denken), einen verflixt souveränen Umgang mit der (deutschen) Sprache und ein gesundes Rechtsempfinden. Letztlich erfährt man frühestens im Studium, ob man geeignet ist, doch diese Kriterien bieten vielleicht eine Orientierungshilfe vor der Immatrikulation. Übrigens: Lateinkenntnisse sind entgegen landläufiger Meinung nicht erforderlich, um Jura zu studieren.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.